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St. Josefs-Krankenhaus Potsdam: Geburtshilfe bereits geschlossen – Protest wächst weiter

person Charly Dethloff
schedule Gerade eben
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Die Entwicklungen rund um das St. Josefs-Krankenhaus in Potsdam überschlagen sich. Nachdem die Schließung der Geburtsstation ursprünglich zum 31. Juli angekündigt worden war, wurde die Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe nun bereits mit sofortiger Wirkung von der Versorgung abgemeldet. Gleichzeitig wächst der Protest in der Stadt: Zwei Online-Petitionen sammeln Unterschriften für den Erhalt der Geburtshilfe und des Endometriosezentrums.

Nach Angaben des Krankenhauses können die personellen Voraussetzungen für eine sichere Versorgung nicht mehr erfüllt werden. Patientinnen mit akuten gynäkologischen oder geburtshilflichen Beschwerden sollen sich ab sofort an das Klinikum Ernst von Bergmann wenden. Bereits vereinbarte Termine und geplante Behandlungen entfallen.

Petition für den Erhalt der Geburtsstation findet große Unterstützung

Besonders die Schließung der Geburtshilfe sorgt in Potsdam für große Emotionen. Die Potsdamer Mutter Tita Rrahimi hat deshalb eine Online-Petition gestartet, die inzwischen von Tausenden Menschen unterstützt wird.

Im Gespräch mit Radio Potsdam erklärt sie, warum sie die Petition ins Leben gerufen hat und was sie fordert:

Für sie ist das Thema dabei nicht nur politisch, sondern auch persönlich. Sie selbst brachte ihr Kind im St. Josefs-Krankenhaus zur Welt – und wurde dort sogar selbst geboren.

Die große Unterstützung zeigt ihr, dass viele Familien ähnliche Sorgen haben.

Sorge um die Zukunft der Geburtshilfe

Nach Angaben des Krankenhauses ist die Schließung eine Folge der bundesweiten Krankenhausreform. Für Tita Rrahimi bedeutet das jedoch vor allem längere Wege und weniger Wahlmöglichkeiten für werdende Eltern.

Noch gibt sie die Hoffnung auf einen Erhalt der Geburtsstation nicht auf.

Auch das Endometriosezentrum steht vor dem Aus

Von den Veränderungen ist nicht nur die Geburtshilfe betroffen. Auch das Endometriosezentrum am St. Josefs-Krankenhaus soll zum 1. August schließen.

Endometriose ist eine chronische Erkrankung, von der viele Frauen betroffen sind. Janine Scherz, die 2022 die erste Endometriose-Selbsthilfegruppe in Potsdam gegründet hat, erklärt, warum das Zentrum für Betroffene so wichtig ist.

Viele Patientinnen fragen sich nun, wie ihre Behandlung weitergehen soll.

Aus diesem Grund haben Betroffene inzwischen ebenfalls eine Petition gestartet.

„Viele Frauen fühlen sich im Stich gelassen“

Seit Bekanntwerden der Pläne erreichen Janine Scherz zahlreiche Nachrichten von Betroffenen.

Mit der Schließung von Geburtshilfe, Gynäkologie und Endometriosezentrum sieht sie die Frauengesundheit in Potsdam insgesamt geschwächt.

Auch die Ziele der Krankenhausreform bewertet sie kritisch.

Ernst von Bergmann: Geburtshilfe in Potsdam bleibt gesichert

Das Klinikum Ernst von Bergmann hat sich inzwischen zu den Diskussionen geäußert und betont, dass die geburtshilfliche Versorgung in Potsdam auch nach der Schließung des St. Josefs-Krankenhauses sichergestellt sei.

Nach Angaben des Klinikums bereitet sich das Perinatalzentrum Level I bereits auf die zusätzlichen Geburten vor. Dafür würden personelle und organisatorische Kapazitäten ausgebaut. Außerdem verweist das Krankenhaus auf ergänzende Angebote wie Stillberatung, Babylotsinnen ab September sowie die Möglichkeit einer vertraulichen Geburt.

Diskussion um Krankenhausreform geht weiter

Mit der Krankenhausreform werden medizinische Leistungen in Potsdam neu verteilt. Während das St. Josefs-Krankenhaus unter anderem die Geburtshilfe, Gynäkologie und Neurologie aufgibt, übernimmt das Klinikum Ernst von Bergmann künftig die komplette geburtshilfliche Versorgung der Landeshauptstadt.

Ob die beiden Petitionen an den Entscheidungen noch etwas ändern können, ist offen. Klar ist jedoch: Die Diskussion um die Zukunft der Frauengesundheit und der Geburtshilfe in Potsdam ist mit der vorzeitigen Schließung der Geburtsstation noch längst nicht beendet.

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