Neuer Gleichstellungsreport: Deutliche Unterschiede zwischen Frauen und Männern in Brandenburg
Wie gleichgestellt leben Frauen und Männer in Brandenburg? Ein neuer Datenreport des Landes zeigt: In vielen Bereichen gibt es weiterhin deutliche Unterschiede – von Bildung und Beruf über Familienarbeit bis hin zu Gesundheit und politischer Beteiligung.
Frauen in Brandenburg verfügen im Durchschnitt häufiger über höhere Bildungsabschlüsse als Männer. Bei den 25- bis 44-Jährigen haben laut Report 35 Prozent der Frauen einen hohen Bildungsabschluss, bei den Männern sind es 29 Prozent. Auch die Hochschulreife erreichen Frauen häufiger. In den höheren Stufen einer akademischen Karriere kehrt sich dieses Bild allerdings um: Bei Promotionen, Habilitationen und Professuren sind Frauen deutlich seltener vertreten.
Junge Frauen zieht es häufiger aus ländlichen Regionen
Auffällig sind auch die demografischen Unterschiede. Brandenburgweit kommen bei den 20- bis 29-Jährigen 117 Männer auf 100 Frauen. Besonders groß ist der Unterschied in der Prignitz und im Landkreis Oder-Spree. Eine Ausnahme bildet Potsdam: In der Landeshauptstadt leben in dieser Altersgruppe mit 97 Männern je 100 Frauen etwas mehr junge Frauen als Männer.
Sorgearbeit bleibt überwiegend Frauensache
Unterschiede zeigen sich weiterhin im Berufs- und Familienleben. Weniger als die Hälfte der Frauen in Brandenburg arbeitet in Vollzeit. Gleichzeitig werden rund 80 Prozent der Tätigkeiten in Pflege- und Betreuungsberufen von Frauen ausgeübt.
Auch bei der Elternzeit ist die Verteilung ungleich: Männer nehmen durchschnittlich 3,2 Monate, Frauen knapp 13 Monate. Allerdings steigt zumindest bei jüngeren Beschäftigten der Männeranteil in Sorgeberufen. Potsdam hat mit 17,7 Prozent den höchsten Männeranteil beim pädagogischen Personal in Kitas im Land.
Unterschiede auch beim Wahlverhalten
Deutlich unterscheiden sich Frauen und Männer außerdem bei ihren politischen Präferenzen. Bei der Bundestagswahl 2025 lag die Wahlbeteiligung bei beiden Geschlechtern in Brandenburg bei 82 Prozent. Bei der Erststimme für die AfD zeigte sich dagegen eine größere Differenz: 40 Prozent der Männer wählten einen AfD-Kandidaten, bei den Frauen waren es 29 Prozent.
Gleichzeitig sind Frauen in politischen Führungspositionen weiterhin unterrepräsentiert. Nur etwa jedes fünfte Bürgermeisteramt in Brandenburg ist mit einer Frau besetzt.
Unterschiede bei Gesundheit und Gewalt
Der Report zeigt auch geschlechtsspezifische Unterschiede bei gesundheitlichen Problemen. Junge Männer weisen beispielsweise deutlich häufiger Diagnosen im Zusammenhang mit Suchtmitteln auf. Essstörungen treten dagegen bei weiblichen Jugendlichen wesentlich häufiger auf.
Besonders deutlich fällt die Statistik bei sexueller Gewalt aus: 2024 waren laut Polizeistatistik 92 Prozent der erfassten Opfer von Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung weiblich. Dabei weist der Bericht darauf hin, dass die Statistik nur angezeigte Fälle erfasst und das tatsächliche Ausmaß damit nicht vollständig abbildet.
Der Gleichstellungsdatenreport untersucht insgesamt sieben Bereiche – von Demografie und Bildung über Erwerbs- und Sorgearbeit bis hin zu politischer Teilhabe, Gesundheit und geschlechtsbezogener Gewalt. Für die Landesgleichstellungsbeauftragte Uta Kletzing zeigen die Ergebnisse vor allem, dass traditionelle Geschlechterrollen den Alltag von Frauen und Männern in Brandenburg weiterhin stark beeinflussen.