Mehr als 300 Lehrerstellen unbesetzt: Brandenburg vor schwierigem Schuljahr
Mehr Schülerinnen und Schüler, gleichzeitig fehlen Hunderte Lehrkräfte: Brandenburg startet am Montag unter schwierigen Bedingungen ins neue Schuljahr. Bildungsminister Gordon Hoffmann kündigt deshalb weitere Maßnahmen an, um den Unterricht abzusichern.
Rund 324.400 Schülerinnen und Schüler werden im Schuljahr 2026/27 in Brandenburg unterrichtet – etwa 1.000 mehr als im vergangenen Schuljahr und so viele wie seit rund 20 Jahren nicht mehr. Gleichzeitig sind kurz vor dem Schulstart noch 313 Vollzeit-Lehrerstellen unbesetzt. Im Vorjahr waren es 255.
Bildungsminister Gordon Hoffmann (CDU) spricht deshalb von einem der schwierigsten Schuljahre für Brandenburg. Oberste Priorität habe, den für Schulabschlüsse wichtigen Unterricht sicherzustellen.
Weniger Förderstunden und Angebote möglich
Schulen mit besonders großen Personalproblemen sollen dafür zusätzliche Spielräume bekommen. So können beispielsweise Förderstunden, Angebote des gemeinsamen Lernens oder Ganztagsangebote reduziert werden, um Lehrkräfte stattdessen im regulären Unterricht einzusetzen.
Reicht auch das nicht aus, können Schulen für die Klassenstufen 7 bis 10 eine vorübergehende Reduzierung der Stundentafel beantragen. Kernfächer wie Deutsch, Mathematik oder Englisch sind davon ausgenommen.
Daneben sollen Teilzeit-Lehrkräfte angesprochen werden, ob sie ihre Arbeitszeit freiwillig erhöhen können.
Mehr Unterricht für bislang ausgenommene Lehrkräfte
Ab dem zweiten Halbjahr soll außerdem eine weitere Maßnahme greifen: Bereits seit Februar müssen Brandenburgs Lehrerinnen und Lehrer grundsätzlich eine zusätzliche Wochenstunde unterrichten. Bislang waren davon allerdings Pädagogen an Förder-, Berufs- und Schulen mit hohem Sozialindex ausgenommen.
Diese Ausnahme soll zum zweiten Schulhalbjahr 2026/27 wegfallen. Nach Angaben des Bildungsministeriums entsprechen die bisherigen Entlastungsstunden insgesamt rund 290 Vollzeitstellen.
Trotz der angespannten Lage sollen die zusätzlichen Stunden jeweils an den betroffenen Schulen bleiben. Versetzungen seien dafür nicht vorgesehen.
Neue Wege gegen den Lehrermangel
Auch organisatorisch sollen Schulen neue Möglichkeiten nutzen. Dazu gehören etwa jahrgangsübergreifender Unterricht oder das Zusammenlegen bestimmter Kurse.
Neu sind zudem landesweite Online-Kurse in Fächern wie Französisch, Latein, Geografie, Politische Bildung, Psychologie und Philosophie. Sie richten sich an Schülerinnen und Schüler, deren Schulen die jeweiligen Fächer nicht selbst anbieten können.
Für Brandenburg bleibt die Personalsituation damit angespannt: Während die Schülerzahlen weiter steigen, beginnt das neue Schuljahr mit mehr als 300 unbesetzten Lehrerstellen.