65 Jahre Mauerbau: Warum die Erinnerung in Potsdam lebendig bleiben muss
Morgen ist es soweit: Am 13. August jährt sich der Bau der Berliner Mauer zum 65. Mal. Auch Potsdam war unmittelbar von der deutschen Teilung betroffen. Fast drei Jahrzehnte lang verlief die Grenze zwischen Potsdam und West-Berlin und trennte Menschen, Familien und Freunde voneinander.
Anlässlich des Jahrestages findet morgen eine Gedenkveranstaltung an der Glienicker Brücke statt. Wir haben vorab mit Tobias Büloff, Wissenschaftlicher Mitarbeiter für Erinnerungskultur und Gedenken in Potsdam, gesprochen. Im Interview erklärt er, warum die Erinnerung an den Mauerbau auch 65 Jahre später wichtig ist, welche Bedeutung die Glienicker Brücke dabei hat und wie die Geschichte heute an jüngere Generationen weitergegeben werden kann.
Warum der 13. August bis heute wichtig ist
Am 13. August 1961 begann die DDR mit der Abriegelung der Grenze zu West-Berlin. Auch für die Menschen in und um Potsdam veränderte sich damit das Leben schlagartig.
65 Jahre später haben viele Potsdamerinnen und Potsdamer diese Zeit selbst nicht mehr erlebt. Trotzdem bleibt die Erinnerung wichtig. Denn hinter Mauer, Grenzanlagen und politischen Entscheidungen stehen vor allem die persönlichen Geschichten der Menschen, die von der Teilung betroffen waren.
Warum wir deshalb auch heute noch ganz bewusst an den 13. August erinnern sollten, erklärt Tobias Büloff:
Glienicker Brücke als besonderer Ort des Gedenkens
Die morgige Gedenkveranstaltung beginnt um 15 Uhr an der Skulptur NIKE 89 auf der Grünfläche an der Glienicker Brücke. Dass ausgerechnet hier an den Mauerbau erinnert wird, ist kein Zufall.
Die Brücke zwischen Potsdam und Berlin ist eng mit der Geschichte der deutschen Teilung verbunden und steht heute zugleich für deren Überwindung. Welche Bedeutung dieser Ort für die Potsdamer Erinnerungskultur hat, erklärt Tobias Büloff im Interview:
Persönliche Geschichten statt nur Jahreszahlen
Bei der Gedenkveranstaltung kommen morgen auch Menschen zu Wort, die ihre ganz eigenen Perspektiven auf die deutsche Teilung mitbringen.
Der ehemalige Europa-Abgeordnete Michael Cramer berichtet über den Berliner Mauerradweg, den er initiiert hat. Der ehemalige Potsdamer Bürgerrechtler Frank Otto wird einen persönlichen Blick auf die deutsch-deutsche Teilung werfen.
Gerade solche persönlichen Erinnerungen können Geschichte noch einmal ganz anders vermitteln als Daten und Jahreszahlen. Warum Zeitzeugen und ihre Erfahrungen für die Erinnerungsarbeit eine so wichtige Rolle spielen, haben wir Tobias Büloff gefragt:
Wie vermittelt man den Mauerbau jungen Menschen?
Mit jedem Jahr wächst auch der zeitliche Abstand zur DDR. Für Kinder und Jugendliche ist selbst der Mauerfall inzwischen ein historisches Ereignis, das lange vor ihrer Geburt liegt.
Damit steht die Erinnerungsarbeit vor einer besonderen Aufgabe: Wie erzählt man von Mauer, Teilung und DDR so, dass junge Menschen verstehen, was diese Zeit für den Alltag der Menschen bedeutet hat?
Auch darüber haben wir mit Tobias Büloff gesprochen:
Gedenken an der Glienicker Brücke und in Groß Glienicke
Zum Abschluss wollten wir wissen, was die Besucherinnen und Besucher bei der morgigen Gedenkveranstaltung erwartet – und vor allem, was sie anschließend von diesem Nachmittag mitnehmen sollen.
Los geht es morgen, am 13. August, um 15 Uhr an der Glienicker Brücke. Die Beigeordnete Brigitte Meier hält ein Grußwort. Außerdem sind Michael Cramer und Frank Otto dabei. Durch die Veranstaltung führt Dr. Thomas Götz vom Vorstand der Fördergemeinschaft „Lindenstraße 54“. Zum Gedenken werden auch Kränze und Blumen niedergelegt.
Am Abend gibt es einen weiteren Termin: Um 18 Uhr lädt der Ortsbeirat Groß Glienicke an die Mauergedenkstätte am Gutspark ein. Dort werden Bürgermeister Burkhard Exner und der Spandauer Bezirksbürgermeister Frank Bewig Grußworte halten und Kränze niederlegen.